Person

Ich bin Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am LWL-Universitätsklinikum Bochum der Ruhr-Universität Bochum. Meine Arbeit spielt sich an drei Orten ab: im Sprechzimmer, in der Forschung und in der öffentlichen Debatte darüber, wie eine Gesellschaft mit Körpern, Geschlecht und psychischer Gesundheit umgeht.

Ich leite die derzeit einzige systematische Arbeitsgruppe in Deutschland zu Essstörungen bei Männern. Daneben arbeite ich zu Muskeldysmorphie und Körperbild, zu Traumafolgestörungen, aber auch zu Verhaltenssüchten und zu der Frage, warum Versorgungssysteme bestimmte Menschen so zuverlässig übersehen.

Die Fragen, die meine Arbeitsgruppe und mich beschäftigen, klingen zunächst einfach. Wer kommt in Behandlung und wer nicht? Für wen wurden die Therapien eigentlich entwickelt, die wir jeden Tag anwenden? Und was passiert mit Menschen, die in keiner Studie vorkommen?

Ich habe einen bedeutsamen Teil meines Berufslebens damit verbracht, zu erklären, dass auch Männer Essstörungen entwickeln. Das Erstaunen darüber ist bemerkenswert stabil. Die Datenlage ist deutlich besser geworden. Genau darum geht es: Wenn man lange genug systematisch hinschaut, verschieben sich Selbstverständlichkeiten.

An der Psychosomatischen Medizin überzeugt mich, dass sie nicht zwischen Körper und Biografie wählt. Menschen kommen zu uns mit einem Leben, einem Beruf, einer Herkunft, einem Körper, der etwas gelernt hat. Gute Behandlung heißt, all das ernst zu nehmen, ohne den Anspruch aufzugeben, dass Wirksamkeit überprüfbar sein muss.

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Copyright: LWL/Nikolaus Urban 

Univ.-Prof. Dr. med. Georgios Paslakis, MBA

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