Forschung

Welcher Mensch krank wird und wie damit umgegangen wird, ist nie nur eine biologische Frage. Aspekte wie Geschlecht, soziale Lage und kulturelle Normen entscheiden mit darüber, welche Belastungen entstehen, ob sie als Krankheit wahrgenommen und anerkannt werden und ob Menschen Hilfe suchen. Dieser Befund ist der gemeinsame Nenner vieler Arbeiten unserer Arbeitsgruppe.

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Männer, Männlichkeit und Essstörungen

Essstörungen gelten weiterhin als Erkrankungen von Frauen. Männer werden später erkannt, seltener zugewiesen bzw. an Angeboten vorbeigeleitet, die es eigentlich gäbe. Wir untersuchen, wie Männlichkeitsnormen Symptome formen, wie sie die Hilfesuche ausbremsen und was passiert, wenn Prävention dort ansetzt, wo Männer ohnehin sind, zum Beispiel im Fitnessstudio.

Geschlechtersensible Behandlungs- und Versorgungsforschung

Ob Frauen und Männer von denselben Therapien gleich profitieren, wurde bisher meistens nicht untersucht, weil einzelne Studien dafür zu klein sind. Wir gehen deshalb einen Umweg und sammeln die Originaldaten bereits abgeschlossener Therapiestudien ein, um sie gemeinsam neu auszuwerten. Aus vielen kleinen Studien wird so eine große, und erst dann lässt sich die Frage seriös beantworten.

Dazu gehört auch, Gruppen zu untersuchen, die zahlenmäßig klein sind und deshalb meist aus Auswertungen herausfallen. In einer Arbeit zu körperlichen Beschwerden haben wir cis Männer, trans Männer und geschlechtsdiverse Personen gemeinsam betrachtet. Die Fallzahlen sind klein und die Aussagekraft entsprechend begrenzt. In der Forschung müssen wir aufhören, so zu tun, als gäbe es diese Menschen nicht.

Leitlinien, Politik und Öffentlichkeit

Ich verantworte in der S3-Leitlinie zu Essstörungen den Bereich der männlichen Verläufe. Leitlinienarbeit ist der Teil meiner Tätigkeit mit der größten Reichweite, weil dort entschieden wird, was in der Behandlung von Essstörungen in der Fläche tatsächlich passiert.

Daneben arbeite ich an Stellungnahmen für die Politik, etwa zum Zusammenhang von sozialen Medien und Körperbildstörungen, an Informationsmaterialien für Landesministerien und gebe Interviews, wenn ich glaube, zum Abbau von Stigma und zur Motivation für die Inanspruchnahme von Hilfe beitragen zu können. 

Univ.-Prof. Dr. med. Georgios Paslakis, MBA

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